Machst du dir Sorgen um jemanden?
So sprichst du den Kokainkonsum richtig an.
Du merkst, dass ein Freund oder eine Freundin sich verändert. Kokain spielt eine immer größere Rolle, das Geld wird häufig knapp oder die Stimmungsschwankungen nehmen zu. Es ist mutig und richtig, dass du das Thema ansprechen willst! Die Suchtforschung zeigt ganz klar: Echte Freundschaft und ehrliche Gespräche auf Augenhöhe sind oft der wichtigste Anstoß, um das Konsumverhalten zu ändern.
Hier findest du bewährte Tipps, wie du helfen kannst, ohne dass die Situation eskaliert.
Das Gespräch suchen: So kommst du wirklich durch
Der richtige Zeitpunkt: Nüchtern und unter vier Augen
- Bitte beachte: Sprich niemals mit einem Menschen über seinen Konsum, wenn er gerade berauscht ist, oder am Tag danach, wenn sich das psychische und körperliche Tief bemerkbar macht. In diesen Phasen der akuten neurobiologischen Erschöpfung wird Kritik vom Gehirn komplett abgeblockt und die Person reagiert oft extrem gereizt oder aggressiv.
- So geht’s: Wähle einen ruhigen, neutralen Ort (z.B. bei einem Spaziergang oder gemütlich zu Hause) und einen Zeitpunkt, zu dem ihr beide nüchtern und entspannt seid.
„Ich-Botschaften“ statt Vorwürfe
- Bitte beachte: Sätze, die mit „Du bist…“ oder „Du machst immer…“ anfangen, lösen sofort Widerstand und Verteidigung aus.
- So geht’s: Sprich von deinen Gefühlen und Beobachtungen.
Statt: „Du bist nur noch auf Koks und verhältst dich total asozial!“
Besser: „Mir fällt auf, dass du in letzter Zeit viel konsumierst. Ich mache mir wirklich Sorgen um dich, weil du mir wichtig bist.“
Offene Fragen stellen – und dann einfach zuhören
- Bitte beachte: Niemand lässt sich gerne belehren. Menschen ändern ihr Verhalten nur, wenn sie selbst merken, dass etwas schiefläuft.
- So geht’s: Stell so genannte W-Fragen. Das sind Fragen, die z. B. mit „Wie“, „Was“ oder „Warum“ beginnen und die man nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Sie öffnen das Gespräch und regen dein Gegenüber zum Nachdenken an.
„Wie geht es dir eigentlich im Moment wirklich?“
„Warum hast du im Moment das Gefühl, Kokain zu brauchen?“
Höre dir die Antwort an, ohne sie sofort zu bewerten oder zu verurteilen.
Grenzen setzen: „Echtes Helfen“ vs. „Falsches Helfen“
Nimm die Konsequenzen nicht ab
- Bitte beachte: Freunde decken problematischen Konsum oft aus falsch verstandener Liebe oder Freundschaft. Die Psychologie nennt dieses ungewollte Aufrechterhalten der Sucht „Enabling“ (Möglichmachen). Solange das Umfeld die negativen Folgen des Konsums abfedert, gibt es für die Konsumierenden keinen Grund, etwas zu ändern.
- So geht’s:
Leih deinem Freund oder deiner Freundin kein Geld mehr für Drogen oder Partyabende.
Erfinde keine Ausreden für die Person (z.B. bei dem Partner oder der Partnerin, der Arbeitsstelle etc.), wenn sie wegen des Kokainkonsums ihre Verpflichtungen nicht einhält.
Sei ehrlich: „Ich mag dich, aber ich werde dich nicht beim Konsum unterstützen.“
Bleib informiert, aber versuch nicht, die Therapie zu übernehmen
- Bitte beachte: Du kannst niemanden zwingen, aufzuhören. Du kannst nur die Tür zur Hilfe aufhalten – durchgehen muss die Person selbst. Hier findest Du Informationen zu kostenlosen und anonymen Hilfeangeboten vor Ort und im Netz.
- So geht’s: Biete konkrete Unterstützung an, falls die Person etwas ändern will. „Wenn du dir professionelle Hilfe holen willst, suche ich dir gerne eine Nummer raus oder begleite dich dorthin.“
Das Wichtigste zum Schluss: Schütz dich selbst!
Du bist ein Freund / eine Freundin und kein Therapeut / keine Therapeutin. Sucht ist eine schwere Belastung – auch für das Umfeld.
- Zieh klare Grenzen, wenn dir das Verhalten deiner Freundin / deines Freundes zu viel wird.
- Wenn du selbst unter der Situation leidest, hol dir Hilfe. Suchtberatungsstellen sind auch für Freunde und Angehörige da. Hier findest Du kostenlose und anonyme Hilfeangebote vor Ort und im Netz.